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Buchrezension
Barbara Kavemann, Ulrike Kreyssig (Hrsg.): Handbuch Kinder und häusliche Gewalt
Spielt häusliche Gewalt in kindschaftsrechtlichen Verfahren oder bei der Frage des Sorgerechtsentzugs von Amts wegen (§ 1666 BGB) eine Rolle, sind besondere Maßstäbe bei der Beurteilung des Sachverhalts und bei der Auswahl der Maßnahmen anzulegen. Der Beitrag von z. B. Heinz Kindler, „Partnergewalt und Beeinträchtigung kindlicher Entwicklung“ verdeutlicht anhand verschiedener Studien, welche schädigenden Auswirkungen das Miterleben häuslicher Gewalt auf Kinder hat. Gleichsam eindrucksvoll sind die von Philomena Strasser zusammengetragenen Äußerungen und Gemälde von Kindern in dem Artikel „In meinem Bauch zitterte alles.“ Diese Erkenntnisse liefern Argumente bei der Ausfüllung des Kindeswohlbegriffs, die im mit rechtlichen Fragen befassten Teil des Handbuchs noch einmal von z. B. Maud Zittelmann und Jörg M. Fegert bekräftigt werden. Weiterhin finden sich Beiträge, die sich mit den Auswirkungen der Traumatisierung der Mütter auf deren Erziehungsverhalten und den daraus folgenden Ängsten befassen. Mit der derzeitigen juristischen Handhabung dieser Phänomene und der Judikatur befasst sich Heike Rabe in ihrem Artikel „Rechtlicher Schutz für Kinder vor häuslicher Gewalt“. Das Buch liefert zudem Erfahrungsberichte aus anderen europäischen Ländern, so dass die dortigen Verhältnisse mit den hiesigen verglichen werden können. Noch junge Diskussionspunkte werden in den Beiträgen zur Täterarbeit mit gewalttätigen Vätern eingebracht, und auch die Finanzierung von Angeboten nach dem SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) wird in einer eigenen Abhandlung berücksichtigt.
Sämtliche Artikel sind flüssig geschrieben und verweisen auf weiterführende Literatur. Die sachlich gefassten Beiträge tragen zu einer Fortführung der Fachdiskussion bei und sind es wert, zitiert zu werden. Ein Verzeichnis über die Autorinnen und Autoren beschließt das Buch.
Die Herausgeberinnen haben ein rundum gelungenes und umfassendes Handbuch vorgelegt. Nicht umsonst ist es bereits nahezu vergriffen, die Neuauflage aber schon in die Wege geleitet. Es ist zu hoffen, dass es in die Hände der mit dem Thema befassten Personen, vor allem in den Familiengerichten, Jugendämtern und Familien-Beratungsstellen, gelangt.
Dorothea Hecht, Koordinatorin Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt, BIG e.V., Fachanwältin für Familienrecht
in: FPR (Familie, Partnerschaft, Recht) Ausgabe 4/2007 S. 152
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