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Erfolgreicher Einsatz für ein Leben ohne Gewalt
10 Jahre Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt (BIG e.V.)
Häusliche Gewalt ist weit verbreitet: Jede vierte Frau wird von ihrem Partner körperlich misshandelt, wie eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2004 ergeben hat. Die Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt (BIG) engagiert sich seit zehn Jahren zum Schutz von Frauen gegen gewalttätige Übergriffe. Hinter dem erfolgreichen Engagement steht die Erkenntnis, dass häusliche Gewalt nur durch das Zusammenwirken aller Stellen abgebaut werden kann, bei denen die Opfer Hilfe suchen und die Täter auffällig werden.
BIG ist es in den zehn Jahren seines Bestehens gelungen, die Zusammenarbeit zwischen Frauenprojekten, Polizei und Justiz zu koordinieren und zu fördern. Auch Migrantenorganisationen, Jugendhilfe und Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens werden zum Austausch und zur Entwicklung der fachlichen Arbeit zusammengebracht.
Mit diesem Konzept hat BIG bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. So konnten eine Vielzahl von Schutzmaßnahmen, Hilfen und Informationen für die Opfer entwickelt, Handlungsanleitungen für verschiedene Berufsgruppen formuliert und neue Gesetze auf Landes- und Bundesebene angeregt werden. Was vor zehn Jahren noch als Randphänomen galt, ist heute auch durch die Arbeit von BIG als gesellschaftliches Problem erkannt worden.
„Das Berliner Interventionsprojekt ist eines der erfolgreichsten Modellprojekte unseres Ministeriums“, erklärte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Christel Riemann-Hanewinckel, das BIG als Bundesmodell gemeinsam mit der damaligen Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Frauen gefördert hat. „Die Ergebnisse dieses Projektes haben sowohl die Gesetzgebung als auch das Handeln der Behörden und der Unterstützungseinrichtungen maßgeblich beeinflusst und verändert. Ein wesentlicher Erfolg ist, dass Berufsgruppen, die sich zuvor mit Misstrauen begegnet sind, jetzt vertrauensvoll und effektiv zum Schutz vor häuslicher Gewalt zusammenarbeiten. Damit hat BIG einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass häusliche Gewalt nicht mehr als Problem der Frauen angesehen wird, sondern alle zuständigen Institutionen, insbesondere Polizei und Justiz ihre Verantwortung für den Schutz von Frauen vor Gewalt erkannt und übernommen haben. Dadurch ist das Thema Gewalt gegen Frauen aus dem privaten in den öffentlichen Bereich geholt worden.“
Susanne Ahlers, Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, die die Interventionszentrale seit Januar 2002 finanziert, würdigte BIG als beispielgebend in der Stadt: „Häusliche Gewalt, die sich fast ausschließlich gegen Frauen und Kinder richtet, ist besonders verwerflich, weil sie sich im privaten Schutzraum ereignet. Die Opfer haben es oft besonders schwer, sich aus dem Teufelskreis von Abhängigkeit, Scham und Gewalt zu befreien. Hier leistet BIG und seit fünf Jahren auch die BIG-Hotline sehr wertvolle Arbeit. Die enge Zusammenarbeit von BIG und Strafverfolgungsbehörden hat dazu beigetragen, dass immer mehr betroffene Frauen den Mut finden, Anzeige zu erstatten.“
Der Polizeipräsident von Berlin, Dieter Glietsch, erklärte: „Eine fortschrittliche Gesellschaft darf nicht zulassen, dass die Intimität der Privatsphäre als rechtsfreier Raum missbraucht wird, in dem Frauen und Kinder schutzlos der Gewalt ausgeliefert sind. In Zusammenarbeit mit BIG und unseren Partnern vom „Runden Tisch zur Bekämpfung häuslicher Gewalt“ haben wir in den vergangenen Jahren viel erreicht. Die Polizei nutzt die neue Gesetzgebung, um die Täter über einen längeren Zeitraum aus dem Umfeld der betroffenen Frauen zu entfernen. So haben wir im Jahr 2003, als wir erstmals von den veränderten rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch machen konnten, insgesamt 1036 so genannte Wegweisungen ausgesprochen. Im letzten Jahr wurden bereits 1175 Täter längerfristig aus ihren Wohnungen verwiesen. Das gibt den Opfern die Möglichkeit, sich von BIG über Auswege aus ihrer Situation beraten zu lassen. Nur mit dieser Verknüpfung aus Polizeieinsatz und sozialer Betreuung können wir den Opfern einen Neuanfang ermöglichen und damit unserer Verantwortung gegenüber den von häuslicher Gewalt betroffenen Menschen gerecht werden.“
Patricia Schneider von BIG sagte: „Wir bündeln die Kräfte von staatlichen Stellen und freien Trägern, um möglichst früh zu helfen. Die bisherige Arbeit hat deutlich gemacht, dass die Spirale der häuslichen Gewalt bei den Frauen nicht Halt macht, sondern Kinder und Jugendliche mit erfasst. Den eigenen Vater als Gewalttäter zu erleben oder Gewalt an der Mutter mit ansehen zu müssen, schädigt die Kinder. Diese Erkenntnis muss bei allen Beteiligten noch deutlicher ins Bewusstsein gerückt werden. Künftig werden wir noch stärker präventiv arbeiten, zum Beispiel in Schulen und Kindergärten mit LehrerInnen und ErzieherInnen."
Berlin, 14.11.2005
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